Vortrag über #120db

Die rechtsextreme Kampagne #120db ist nach wie vor aktuell.

Deswegen halten wir am 02.11. einen Vortrag über die Kampagne beim Konzert von Böse & Gemein. Es treten Cherie bring mir den Fisch ans Bett aus Halle und Litige aus Lyon auf. 20 Uhr geht’s im AZ Conni los!

Keine Zeit? Kein Problem!

Am 05.11 wird der Vortrag zu #120db in Leipzig bei The Future Is Unritten gehalten. Dort sind wir auch Mitgastgeber. Um 19 Uhr beginnen wir im Pöge Haus.

Kommt rum! Wir freuen uns auf euch!

Gusche auf gegen Rechts!

2019 sind in Sachsen Kommunal- und Landtagswahlen. Wir haben gute Gründe, den Rechten die Stirn zu bieten. Deshalb: #guscheaufgegenrechts!

heißt es im Aufruf von Gusche auf gegen Rechts! Wir schließen uns dem Appell an und unterstützen die Kampagne als Erstunterzeichnerinnen. Mit dabei sind viele weitere Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich dem Versuch des rechten Vormarsches entgegen stellen. Für uns ist es egal, ob menschenverachtende Hetze und autoritäre Forderungen von der AfD, Kameradschaftsnazis, der Pegida-Gefolgschaft oder der rechten Flanke der CDU kommt – doch je stärker die AfD bei der Wahl abschneidet, umso gefährlicher wird der strukturelle Rückhalt für menschenverachtende Einstellungen und Gewalt. Deswegen wird der kommende Wahlkampf auch für feministische Kämpfe hoch relevant sein.

In einer sehr lesenswerten Analyse des apabiz (Toxische Männlichkeit von Kandel bis Chemnitz) stellen Anna Berg, Judith Goetz und Eike Sanders dar, wie wichtig feministische Analysen für die Dynamiken rechtsextremer Politik ist. Für die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin hat Anna Müller kürzlich untersucht, wie die AfD als parlamentarischer Arm der extremen Rechten in Deutschland das Thema Frauenrechte für sich entdeckt und rassistisch umdeutet – und damit feministische Forderungen entkernt und in ihr Gegenteil verkehrt (Umdeuten, Zuspitzen, rassistisch Instrumentalisieren – die Rechtspopulist_innen und die Frauenrechte). In Sachsen können wir noch dazu beobachten, wie gegen vielfältige Familienformen und queere Lebens- und Liebesweisen geschossen wird. Das werden wir nicht kampflos hinnehmen!

Wir wollen die Analysen mit emanzipatorischer Praxis verbinden – es braucht mehr feministische Interventionen gegen faschistische Ideologie, mehr feministische Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt, sexistischer und rassistischer Diskriminierung, mehr radikale, linke, feministische Selbstorganisierung!

Macht die Gusche auf – zu Hause, auf der Straße, in der Schule oder auf Arbeit!
Bildet Banden – gegen den rechten Backlash, für emanzipatorische Utopien!

 

 

Sex Workers Solidarity – eine Auswertung

Nach mehr als einem Jahr Planung, Debatten, Organisierung und Aktivismus hat die Initiative Sex Workers Solidarity jetzt zum Abschluss der Kampagne gegen das sogenannte Prostituierten”schutz”gesetz eine umfassende Auswertung ihres wichtigen Engagements vorgelegt.

Auf Facebook findet ihr das Abschiedsposting von Sex Workers Solidarity, hier den Auswertungstext als PDF.

Trotz der Erfolge von SWS ist schade, dass es bislang nicht gelungen ist, eine nachhaltige Organisierung von Sexarbeiter_innen in Dresden zu initiieren. In der Auswertung finden sich auch dazu einige Gedanken und viele Ideen für mögliche zukünftige Aktivitäten.

Es ist selten, dass politisches Engagement so ausführlich, offen und selbstkritisch reflektiert wird. Umso mehr wir freuen uns, dass die von uns mit gegründete Initiative es geschafft hat, auch diesen Schritt zu meistern.

Protest gegen den Bus von “Demo für Alle” in Dresden

Am 09. September kommt er wieder vorbeigerollt. Der orangene “Bus der Meinungsfreiheit” wird in Dresden Station machen. Das diesjährige Motto richtet sich vor allem gegen Aufklärungsunterricht an Schulen.

Damit einher geht eine Ablehung vielfältiger Familienlebensmodelle. Sie behaupten sie schützen Kinder, aber das Gegenteil ist der Fall, denn sie nehmen ihnen die Möglichkeit sich mit ihren jeweiligen Körpern, ihrer Sexualität, ihren Grenzen, dem Äußern dieser und auch den Familienmodellen, in denen sie leben, auseinanderzusetzen.

Die “Demo für Alle” bzw. der “Bus der Meinungsfreiheit” ist eine von verschiedenen homofeindlichen Kampagnen, die sich massiv gegen alles einsetzen, was nicht ihrem Bild von Ehe – bestehend aus Mann, Frau, Kindern – entspricht.

Wir setzen uns für mehr Vielfalt, für einen antirassistischen Feminismus ein, der Homofeindlichkeit eine klare Absage erteilt und sich für Aufklärung von Menschen jeglichen Alters einsetzt.

Wir wünschen uns daher einen vielfältigen, kreativen Protest vor Ort, oder gerne auch im Rahmen der Teilnahme an der unten verlinkten Demonstration.

https://www.facebook.com/events/1720066791423822/

P.S.: Unsere Buddies von Kinder Küfa Dresden organisieren passend zum Thema ab September eine super spannende Reihe mit dem Titel “Muschi, Pillemann oder wie? – Eine Reihe zu Körper, Sexualität und kindlicher Aufklärung”. Schaut mal auf ihrer Seite vorbei und kommt zu den Veranstaltungen (egal ob mit oder ohne Kind – ihr seid ♥-lichst willkommen)

Infoveranstaltung zu den Protesten gegen den “Marsch für das Leben” 2019

What the fuck?! Schon wieder wollen christliche FundamentalistInnen am 22.9. mit weißen Kreuzen und rechten und antifeministischen Parolen durch Berlin marschieren. Wir werden das verhindern!
Das What The Fuck!-Bündnis wird einen Überblick geben über die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen durch die Paragrafen § 218 und § 219, über die Ideologie und Akteure der reaktionären “Lebensschutz-Bewegung” und darüber was das mit Behindertenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus zu tun hat. Zum Schluss gibts aktuelle Infos zu den diesjährigen Protesten gegen den “Marsch für das Leben” in Berlin.

Der Raum ist mit Rolli zugänglich und rauchfrei.

20 Uhr AZ Conni 🙂
https://www.facebook.com/events/1727674020694887/

Positionierung gegen Rechts seitens des CSD Dresden e.V. lässt weiter auf sich warten…

Ausdrückliches Statement des CSD Dresden zu rechten Bewegungen in den eigenen Reihen bleibt trotz Vorkommnissen auf der Demo 2018 aus…..

Zuletzt haben wir uns 2014 über den CSD in Dresden geäußert. Damals erhielt zu unserer großen Verwunderung die damalige Oberbügermeisterin Helma Orosz (CDU) den Toleranzpreis durch den Verein. Verwundert waren wir u.a., weil doch die CDU nicht gerade bekannt dafür ist, sich für die politischen Belange eines CSDs einzusetzen.

In diesem Jahr nimmt das politische Drama um den CSD Dresden weiter seinen Lauf…
Kurz nach der Demo vor ca. 10 Wochen wurden Vorwürfe laut, innerhalb der „Security Firma“, mit welcher der Verein seit Jahren kooperiert, seien “Personen in schwarzem T-Shirt mit dem Frakturschriftzug ‘Ostdeutschland’ auf dem Rücken aufgefallen. Sie hätten den Hitlergruß angedeutet und beiläufig geäußert, sie würden sich um die Antifa kümmern.”.
CSD Vereine in Leipzig, Berlin und Hamburg haben, z.T. nach eigenen Konfrontationen mit der AFD oder diese Wählenden, bereits zeitnah eigene Statements verfasst und sich klar von rechten Strömungen distanziert. Statt eben solcher Distanzierung lesen wir vom Organisator der Demo Ronald Zenker “Ein mögliches Naziproblem bei der Security werde ‘hochgekocht’” (ebd.), während das CSD Programmheft 2018 zuvor noch unter “(POLITISCHE) FORDERUNGEN” (sic!) verkündet, “…das Wegschauen in der Gesellschaft ist ein nicht hinnehmbarer Zustand. Mit Sorge sehen wir die zunehmende Gefahr einer gesellschaftlichen Rückentwicklung.” (S.6). Eine deutliche Positionierung gegen Rechts in Dresden lässt seitens des CSD Vereins vor Ort jedoch nach wie vor auf sich warten.

Wir sind, insbesondere im Kontext der bevorstehenden Landtagswahlen (mit der AfD haben bürgerlich-konservative bis hin zu extrem rechten Kräften einen parteiförmigen Ausdruck gefunden, der in Sachsen scheinbar ein besonders großes Potenzial hat) und in einer Zeit, in der rechtes Gedankengut sich immer offener in der Mitte der Gesellschaft zeigt, enttäuscht, wütend und schockiert über diese Entwicklungen.

Wir fordern, dass keine Personen in den Dresdner CSD eingebunden, gar von ihm unterstützt werden oder an der Demo teilnehmen, die rechtspopulistischen, neonazistischen oder völkisch-nationalistischen Parteien oder Organisationen angehören, einer entsprechenden Szene zuzuordnen oder bereits anderweitig durch rassistische, sexistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind.

Wir fordern eine klare Positionierung gegen Rechts und die Umsetzung aller notwendigen Konsequenzen daraus!
Wir wollen einen CSD, der nicht die CDU feiert, der nicht mit fragwürdigen Security-Personen kooperiert!
Wir wünschen uns einen CSD, der sich einsetzt für die wirkliche Gleichberechtigung vielfältiger Lebens- und Liebensweisen, der die Belange von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans und inter Menschen sichtbar und hörbar macht, der Menschenrechte für Alle einfordert, der immer kritisch (auch mit sich) bleibt und emanzipatorische Utopien entwirft!

Repression wegen kreativem Protest gegen CDU Veranstaltung mit Birgit Kelle

+++ Aufruf zur Solidarität mit den Betroffenen +++

Es ist über 2 Jahre her, dass sich im März 2016 die feministischen Klatschfreund_innen des “Kommando Kelle” lautstark gegen eine Veranstaltung der CDU mit Birgit Kelle in Dresden positionierten. Eingeladen hatten die Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz und Andreas Lämmel unter dem Motto “Mal ernsthaft: Mit Gendergaga gegen das arabische Frauenbild?”. Den Auftritt von Birgit Kelle nahmen unter anderem ein Bündnis aus dem ‘Gerede homo, bi und trans e.V.’, ‘CSD Dresden e.V.’ und anderen Organisationen und Parteien zum Anlass, eine Kundgebung „Für Toleranz, gegen Fremdenfeidlichkeit und Homophobie“ zu veranstalten. Doch auch innerhalb der Veranstaltung kam es zu kreativem Protest, wodurch die selbsternannte „Expertin für Genderfragen“ für ca. 40 Minuten nicht zu Wort kam.
Nach der Veranstaltung strengte Vaatz ein Verfahren wegen angeblichen Hausfriedensbruchs an. Drei der Klatschfreundinnen, die willkürlich von der Polizei herausgegriffen wurden, erhielten in der Folge Strafbefehle über je 1.000€.
Nachdem diese selbstverständlich nicht akzeptiert wurden, wird nun der Prozess eröffnet, die Hauptverhandlung ist aktuell für den 14. August 2018 um 8:30 Uhr angesetzt.
Wir wollen uns solidarisch mit unseren Freundinnen zeigen und rufen dazu auf, am Prozesstag vor Ort zu sein!

Neben der Strafzahlungen kommen auf die Betroffenen die Kosten des Verfahrens und Aufwendungen für die anwaltliche Vertretung zu. Wir bitten daher auch ausdrücklich um eure Spenden!

Spendenkonto:
e*vibes – für eine emanzipatorische Praxis e.v.
Ostsächsische Sparkasse Dresden
IBAN: DE 22 8505 0300 0221 0618 35
BIC: OS DD DE 81 XXX

Kennwort: Spende Blusenprotest

Bitte verbreitet diesen Aufruf auch über eure Kanäle!

Wir machen unsere Blusen nicht zu!
Wir kämpfen weiter für das Recht auf Selbtbestimmung!
Gegen den sexistischen Normalzustand!
Für eine feministische Praxis!

Laut, wild und kreativ!

Facts:
Dienstag, 14.08.2018 8:30 Uhr
Sitzungsaal N1.14, Roßbachstraße 6, 01069 Dresden

Gastbeitrag von Sex Workers Solidarity zum “SächsProstSchGAG”

Protest gegen die Verabschiedung des Sächsischen Prostituierten“schutz“gesetz-Ausführungsgesetzes

Am Mittwoch soll das Prostituiertenschutzgesetz-Ausführungsgesetz beschlossen werden! Kommt auch vorbei: Mittwoch, 27.06., 9:30 Uhr (vor Beginn der öffentlichen Landtagssitzung) vor dem Landtag in Dresden.

Im Landtag bewegt sich was – deswegen bewegen wir uns auch!

Nachdem das Thema des Sächsischen Prostituiertenschutzgesetz-Ausführungsgesetz mehrfach vertagt wurde, wird es am kommenden Montag, den 18.o6.18, in einer (nicht öffentlichen) Sondersitzung des Sozialausschusses besprochen. Damit wird das SächsProstSchGAG mit größter Wahrscheinlichkeit am 27. oder 28.06. – und mit einem halben Jahr Verspätung noch kurz vor der Sommerpause – vom Landtag verabschiedet werden und sofort in Kraft treten.

Wie wir herausfinden konnten, gibt es von allen Fraktionen Änderungsanträge zum ursprünglichen Entwurf, den wir ausführlich in unserem Offenen Brief kritisiert haben. Auf wirklich grundlegende Kritikpunkte geht leider keiner der Entwürfe ein, dennoch sieht man an den Änderungsvorschlägen, dass unsere Gegenwehr immerhin ETWAS gebracht hat:

Laut Antrag der CDU-SPD-Koalition sollen die Gebühren für die Anmeldung sowie die Ausstellung einer Aliasbescheinigung auf 35€ (statt 40€) gesenkt werden, eine Verlängerung soll 15€ kosten (statt jedes Mal wieder 35€), die Gebühren für die Gesundheitsberatung (zunächst mit 60€ angesetzt) sollen entfallen. Linke und Grüne fordern komplette Gebührenfreiheit für Sexarbeiter_innen, die Mehrheit im Landtag wird aber wohl anders entscheiden. In jedem Fall ist es jetzt aber nicht mehr vorgesehen, dass die von den Sexarbeiter_innen zu zahlenden Gebühren den Aufwand für die Zwangsanmeldungs- und Zwangsberatungsprozedur in Gänze finanzieren sollen. Stattdessen soll das Land Sachsen den betreffenden sechs Kommunen jährlich Mittel dafür zur Verfügung stellen. Die Finanzierung in den Kommunen ist übrigens der einzige Punkt, zu dem sich auch die AfD in ihrem Antrag einlässt, die hohen Gebühren für Sexarbeiter_innen hätte sie einfach beibehalten.

Diese Veränderungen sind nicht etwa von selbst geschehen, sondern beruhen auf dem Engagement verschiedenster Akteur_innen innerhalb und außerhalb des Landtags. Unser Protest war erfolgreich – dafür DANKE an alle Beteiligten! Zentral war auch die öffentliche Anhörung, in der fünf Expert_innen einhellig den SächsProstSchGAG-Entwurf hart kritisierten. Die kritische Begleitung hat dafür gesorgt, dass das Thema nicht einfach im stillen Kämmerlein abgehandelt werden konnte. Es zeigt sich also, dass es etwas bringt, sich öffentlich zu Wort zu melden und sich zu wehren – ein Grund zu Feiern. Prost!

ABER: Mit Verabschiedung des – wenn auch veränderten – Ausführungsgesetzes sind die grundlegenden Probleme noch lange nicht verabschiedet. Viele wichtige Fragen bleiben im SächsProstSchGAG weiterhin unberücksichtigt, z. B. die Beratung in der jeweiligen Muttersprache oder die (Nicht-)Existenz von Beratungsstellen (mehr siehe Offener Brief). Insgesamt ist und bleibt das bundesweite ProstSchG ein diskriminierendes Gesetz, das die Situation von Sexarbeiter_innen verschlechtert. Daran ändert sich nichts, auch wenn man nun vielleicht weniger Geld für die eigene Datenerfassung und Stigmatisierung bezahlen muss. Das ProstSchG gehört entsorgt! Es bleibt spannend, was sich aus der Verfassungsklage oder sonstigen Initiativen noch ergibt – dieser Drops ist noch nicht gelutscht!

Darum werden wir die Verabschiedung des Ausführungsgesetzes weder bejubeln noch unkommentiert lassen. Kommt doch auch vorbei!

Info und Merchstand beim Fusion Festival 2018

Nach einer erfolgreichen Aktion im Erzgebirge sind wir wieder zurück in Dresden und hier findet am kommenden Wochenende das Böse&gemein festival 2018 statt bei dem sich ein Vorbeischauen sehr lohnt!

Wir bereiten uns außerdem schon langsam auch die kommende Woche vor, denn wir werden uns wieder auf den Weg zur Fusion machen um gemeinsam mit Pro Choice Sachsen die Oase zu bereichern. Nicht nur gibt es einen wunderbaren Info- und Merchstand bei dem ihr unsere frisch bei Black Ink gedruckten Hosen und Solibeutel gegen Spende erwerben könnt, sondern auch eine Leseecke mit Zines und Büchern.

https://www.facebook.com/events/627080890994280/

Und natürlich haben wir auch noch mehr Inhalte zu bieten. Gemeinsam mit pro choice Sachsen wir es am Freitag den 29. Juni um 17 Uhr einen Vortag rund um §218 und §219 StGB und die darum herum stattgefundenen feministischen Kämpfe und Erungenschaften geben.

https://www.facebook.com/events/315211309013319/

Und am Samstag den 30. Juni gibt es einen Input zur Kamapgne 120db.

https://www.facebook.com/events/334877637045301/

Annaberg-Buchholz, 16.06.2018: Protest gegen fundamentalistischen ”Schweigemarsch” im Erzgebirge

Nach monatelangen Vorbereitungen freuen wir uns über ein sehr erfolgreichen und empowernden Aktionstag in Annaberg-Buchholz. Eine Auswertung zusammen mit den anderen Bündnisgruppen von Pro Choice Sachsen wird sicher folgen, hier zunächst die Pressemitteilung als erste Einschätzung zum Verlauf aus unserer Sicht:

Annaberg-Buchholz, 16.06.2018

+ Protest gegen fundamentalistischen ”Schweigemarsch” im Erzgebirge + lautstarker und kreativer Protest vom feministischen Bündnis Pro Choice Sachsen + Straßenfest und Gegendemonstration

Am Samstagnachmittag demonstrierten in Annaberg-Buchholz mehr als 600 Feminist*innen unter dem Motto: “Leben schützen! Abtreibung legalisieren!” Anlass dafür war der von christlich-fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen organisierte sogenannte “Schweigemarsch für das Leben”.

Mona Naumann vom Bündnis Pro Choice Sachsen:

„Jedes Jahr sterben weltweit etwa 47.000 Frauen an den Folgen illegalisierter Abtreibungen. Frauen sitzen im Gefängnis, weil sie selbst Abtreibungen vorgenommen haben oder weil sie nach einer Fehlgeburt verdächtigt wurden, dies getan zu haben. Das zeigt: Wer Leben schützen will, muss das Recht auf Abtreibung verteidigen.“ Pro Choice Sachsen fordert daher die Abschaffung des § 218 StGB in Deutschland, nach dem Abtreibungen immer noch illegal sind und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei bleiben”, erklärt Johanna Müller.

Neben einer Gegendemonstration hat Pro Choice Sachsen in Kooperation mit dem feministischen Konzertkollektiv “böse & gemein” ein Straßen- und Musikfest organisiert. Zusätzlich zum musikalischen Programm queerfeministischer Bands fand eine Podiumsdiskussion zum Thema “Feministische Praxis zwischen Realität und Utopie” statt.

Pro Choice Sachsen demonstrierte in Annaberg-Buchholz gegen die antifeministische, homosexuellenfeindliche und transfeindliche Politik der selbsterklärten Lebensschutzbewegung. Sie ist ein Teil des globalen gesellschaftlichen Rechtsrucks, mit dem wir uns momentan konfrontiert sehen. In diesem Jahr stand der Protest auch unter dem Eindruck des positiven Ergebnisses des Referendums in Irland sowie der erfolgreichen Abstimmung für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Argentiniern vor wenigen Tagen.

“Das stimmt uns positiv. Feministische Kämpfe sind die ausdauerndsten und aktuell erfolgreichsten Kämpfe gegen die regressiven Kräfte global”, freut sich Mona Naumann. Das zeigen auch die zahlreichen Grußworte, die auf der Demonstration verlesen wurden. Grußworte sendeten Feminist*innen aus Brasilien, Ecuador, Mazedonien, Serbien, Schweiz und Österreich. Auch die Frauenärztin Kristina Hänel, die wegen ihrer Kritik am § 219a StGB bekannt geworden ist, schickte eine Grußbotschaft. Dieser Paragraf verhindert in Deutschland den Informationszugang über die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs.

Wieder sind die feministischen Proteste gewachsen. Mehr als 600 Demonstrant*innen aus Sachen, Thüringen und Berlin fanden ihren Weg in den sächsischen Bible Belt. In Annaberg-Buchholz, der Kleinstadt im Erzgebirge rechneten die Fundamentalist*innen mit 2000 UnterstützerInnen. Entgegen ihrere Erwartungen konnte ihr Schweigemarsch keinen Zuwachs verzeichen, obwohl er extra auf einen Wochenendtag gelegt worden war. Auf dem großen Marktplatz wirkte ihre Abschlusskundgebung verloren und umfasste nicht mehr als 500 TeilnehmerInnen – ein Viertel ihrer Ankündigung.

Die Demonstration von Pro Choice Sachsen endete ebenfalls auf dem Marktplatz und konnte so in Sicht- und Hörweite der FundamentalistInnen lautstark und nachdrücklich die Kritik zum Ausdruck bringen. Neben Transparenten, Luftballons, Konfetti kamen auch Symbole wie Kleiderbügel zum Einsatz. Mona Naumann dazu: „Kleiderbügel waren und sind Hilfsmittel, auf die Schwangere zurückgeworfen sind wenn Abtreibung verboten ist. Der Kleiderbügel wurde 2016 von Feminist*innen in Polen als starkes Symbol auf den Demonstrationen gegen eine drohende Gesetzesverschärfung mit der Parole „Nie wieder!“ eingesetzt. Eines der witzigen Schilder lautete: “If I wanted politics in my pussy I would fuck a Bundestagsabgeordnete/r”.

Die Verquickung fundamentalischer und rechter Positionen war Inhalt verschiedener Redebeiträge, problematisiert wurde sie aber auch im Slogan: Patriarchat und AfD machen wir platt olé olé !

Infos und Kontakt:
twitter: @ProChoice_SN
Blog: www.pro-choice-sachsen.de
Facebook: https://www.facebook.com/prochoicesachsen/