Redebeitrag zu Lisa Eckhart

Wir dokumentieren hier den Redebeitrag auf der gestrigen Kungebung gegen den Auftritt Lisa Eckharts in der Jungen Garde.  Etwa 30 Menschen hatten sich dem Aufruf angeschlossen, gegen die Verbreitung diskriminierender Vorurteile zu protestieren und das Publikum über die Kritik aufzuklären.
Die DNN berichtet recht oberflächlich: Auftritt von Lisa Eckhart in der Jungen Garde von Protesten begleitet

Über die Kunstform, Stammtischniveau als Satire zu verkaufen – wie Eckhart Diskurs einfordert und sich doch jeder Kritik entzieht.

Eines muss man Lisa Eckhart zugestehen: die permanente Aussage, sie spiegle die Mehrheitsgesellschaft wider, ist mehr als berechtigt. Nun bin ich generell kein Fan dieser Metapher. Denn mein Spiegelbild allein, wenn ohne Kontext präsent, sagt mir erstmal nur, dass ich nicht allein bin, und eigentlich ganz gut aussehe. Damit aus der gedankenlosen Reflektion die kritische Selbstreflektion wird, bedarf es mehr als spröder Wiedergabe meiner selbst. Gute Satire vermag mehr zu bieten. Gute Satire tritt nach oben oder gegen die eigenen Zuschauer:innen, lässt mich mit der Erkenntnis zurück: so bin ich wirklich. Und bestenfalls mit der Frage: möchte ich wirklich so sein?

Lisa Eckhart beherrscht dieses Handwerk nicht. Und es ist gerade dieses Unvermögen, zwischen effektiver Satire und plumpem Stammtischhumor zu unterscheiden, in dem ich die Mehrheitsgesellschaft wiederfinde.
Lisa Eckharts Bühnenprogramm ist nicht besonders. Es ist sogar so gewöhnlich, dass es mir unverständlich ist, warum Menschen ihr Geld in eine sogenannte Unterhaltung investieren, die sich jeden Abend am nächsten Kneipentisch umsonst bietet. Gut, Humor ist ja bekanntlich Geschmackssache. Diskriminierung ist aber wesentlich eindeutiger definiert. Und dass dieses Programm regelmäßig rassistische, antisemitische und transfeindliche Vorurteile reproduziert, ohne sie zu hinterfragen, das haben vor mir schon genug Menschen mehr als deutlich herausgearbeitet. So ist Lisa Eckhart eine von vielen, die zu einem gesellschaftlichen Klima beitragen, das strukturelle Unterdrückung fördert und letztendlich menschliches Leben und Überleben gefährdet.

Am deutlichsten aber schreit mich die Mehrheitsgesellschaft an in ihrer Unfähigkeit, mit konstruktiver Kritik umzugehen. Von ihrem Management wurden wir im Vorfeld dieser Veranstaltung freundlicherweise auf ein Interview mit Frau Eckhart aufmerksam gemacht [1]. Dankbar für dieses Mindestmaß an Diskursbereitschaft habe ich es mir angeschaut. Am eindringlichsten ist mir davon ihre Aussage im Gedächtnis geblieben, sie nehme prinzipiell keine Kritik “von unten” entgegen. Wer denn “oben” und “unten” sei, ließ sie offen, Journalist:innen jedenfalls nehme sie auch nicht ernst, denn die würden ja die Argumente “von unten” lediglich reproduzieren. Stellt sich mir die Frage, für welche Kritik sie denn nun zugänglich sei.

Versteht mich nicht falsch, Lisa Eckhart ist nur eine von vielen. Sie verkörpert die privilegierte, selbst ernannte deutschsprachige Intellektuelle, die jedwede Kritik als “verrückt”, “affektiv” und “unreflektiert” (Zitate Lisa Eckhart) abstempelt, und so jeder interessierten Auseinandersetzung mit stolz gerümpfter Nase aus dem Weg geht. Und da findet sich dann plötzlich die Antwort auf die Frage, warum sie so grandios an ihrem eigenen Anspruch scheitert, ihrem Publikum ein kritischer Spiegel zu sein: wie könnten Menschen, die das eigene Spiegelbild so vehement vermeiden, auch das komplexe Handwerk der Selbstreflektion erlernen, geschweige denn einem zahlenden Publikum nachhaltig vermitteln?

Die Debatte um die Kritikfähigkeit öffentlicher Personen ist nicht neu. Eckharts Verteidiger:innen sind nicht die ersten, die Cancel Culture schreien, nur bis vor kurzem schrien sie eben noch Zensur. Aber ein neues Wort ändert nichts an den Tatsachen. Wenn immer mehr Stimmen laut werden, die nichts tun als zu sagen: “Liebe Lisa, dein Programm hat menschenverachtende Passagen, könntest du die nicht durch etwas besseres ersetzen?”, warum fällt es ihr dann so schwer, zuzuhören, in den Spiegel zu blicken, und sich zu fragen: Möchte ich so sein?

Aber Lisa hört nicht auf die Stimmen von unten. Es sind vor allem auch die Stimmen derer, auf deren Kosten ihre Witze gehen. Ist das unten? Liebe Lisa, bist du oben? Trittst du lieber nach unten? War das Satire? Nicht, dass sie damit alleine wäre. Unter dem altbekannten Deckmantel der Kunst- und Meinungsfreiheit versichert uns ihr Management: “Kunst darf alles.” Na, da bin ich aber beruhigt. Unabhängig der Frage, ob das stimmt, sind mir Menschen, die Legalität und Moralität gleichsetzen, schon immer suspekt. Verantwortung ist ein bisschen mehr Arbeit, als die Befolgung von Gesetzen. Und als öffentliche Person mit großem Einfluss ist dieser Verantwortung nachzukommen eben leider ganz schön anstrengend.

Und hier liegt das deutlichste Symptom der privilegierten Mehrheitsgesellschaft: diese unendliche Faulheit. Zu faul, zuzuhören, nachzudenken, zu lernen, sich zu verändern und Verantwortung zu übernehmen. Menschenverachtende Klischees reproduzieren und rassistische Peniswitze sind eben so viel einfacher. Frau Eckharts Management fragte uns im Vorfeld dieser Kundgebung auch, was wir denn eigentlich an ihr kritisieren würden. Unsere sinngemäße Antwort, umfassende Kritik sei bereits von vielen, klügeren Menschen als uns, ausformuliert und zugänglich, schien sie nicht zu befriedigen. Statt einer inhaltlichen Reaktion gab es nur weitere rhetorische Fragen. Eine tatsächliche Auseinandersetzung seitens Frau Eckhart steht bis heute aus.

Ihre auftrittsfreie Zeit während der Corona-Epidemie hat Lisa übrigens genutzt, um ausgiebig Computer zu spielen. Dass dies ein Privileg sei, dessen sei sie sich immerhin bewusst. Schade, dass sie dieses Privileg und ihren Bildschirm nicht genutzt hat, um sich ausgiebig mit ihrem Spiegelbild zu beschäftigen.

[1] https://youtu.be/JlinQE3JeX4

Außerdem sei hier folgender Artikel von Dresden Postkolonial zu empfehlen:
https://www.addn.me/kultur/auf-der-seite-des-humors/

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